Hallo Frauen, wo seid ihr? Im Quellcode fehlen eure Zeilen!

Weltfrauentag hin, Gleichberechtigung her: In der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT), einer unbestritten zukunftsträchtigen Branche mit besten Berufsaussichten bei sehr guter Bezahlung, gibt es nach wie vor nur sehr wenige Frauen: Gerade einmal 29,2 Prozent betrug ihr Anteil nach Angaben des AMS 2022. Unterrepräsentiert sind sie schon in der Ausbildung, wo sie in Studiengängen der Informatik und Kommunikationstechnologie im Studienjahr 2022/23 nur mit 23,7 Prozent vertreten waren.  

Verändert hat sich diese Geschlechterkluft in den vergangenen Jahren kaum, obwohl die IKT-Branche ein sehr schnell wachsender Wirtschaftsbereich ist, in dem laufend neue Mitarbeiter:innen gesucht werden: Von 2008 bis 2022 erhöhte sich die Zahl der Beschäftigten der IKT in Österreich von knapp 74.000 auf über 120.000, das entspricht einem Wachstum von 65 Prozent. Der Frauenanteil aber bleibt nahezu unverändert gering. 

ipcenter arbeitet deshalb zusammen mit internationalen Partner:innen an zwei Erasmus+-Projekten, die diesen Gap sowohl ins Bewusstsein rufen als auch die Kompetenzen von Mädchen und Frauen und damit ihr Selbstvertrauen in diesem Bereich stärken wollen, und zwar nicht nur anlässlich des Weltfrauentags am 8. März, sondern generell. Im Rahmen von GEMS, was für „Girls‘ Empowerment in Digital Skills“ steht, werden neue Bildungsangebote für Schülerinnen und Studentinnen geschaffen. AI4HER setzt auf der strukturellen Ebene der Berufsbildung an, indem ein gender-inklusives KI-Curriculum entwickelt wird und KI-Anwendungen in einem AI-Lab für berufstätige Frauen praxisnah erlebbar gemacht werden. 

Um Mädchen und Frauen noch vor der Entscheidung für einen Beruf zu erreichen, werden speziell Trainer:innen und Lehrer:innen angesprochen. Sie sollen Mädchen und Frauen Wissen vermitteln, das ihnen dieselben Zugangsmöglichkeiten zur IKT verschafft wie Männern. „Zu diesem Wissen gehört auch, dass die Einstiegsgehälter und Verdienstmöglichkeiten in der IT-Branche gut sind. Da viele Mädchen und Frauen aber nicht genau wissen, was alles unter IKT fällt, möchten wir da ansetzen“, sagt Olivia Schabowski, die bei ipcenter für die Projekte zuständig ist. 

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Was sind weitere Gründe dafür, dass Frauen im Berufsfeld IKT nach wie vor so selten vertreten sind? „Mädchen und Frauen kommen durch das Stigma, dass das Berufsfeld IKT männlich dominiert ist, gar nicht auf die Idee, in dieses Berufsfeld zu gehen“, sagt Olivia Schabowski. Im privaten Umfeld oder in den Bildungseinrichtungen, die sie besuchen, fehlen oft weibliche Vorbilder. Doch die Ursachen reichen noch weiter zurück: Eltern zum Beispiel trauen ihren Söhnen oft Fähigkeiten zu, die sie ihren Töchtern nicht zutrauen, und auch im Kindergarten werden Mädchen bei technischen oder informationstechnologischen Aktivitäten schlechter als Buben bewertet, wie die „MINT the Gap“-Studie zeigt. Kein Wunder, dass Mädchen mit dem Vertrauen in ihre diesbezüglichen Fähigkeiten auch das Interesse an MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik) verlieren, und zwar selbst dann, wenn sie vergleichbare Noten wie Jungen haben: Untersuchungen zeigen, dass sie ihre Fähigkeiten in diesen Fächern trotzdem schlechter einschätzen als Jungen.  

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In der Folge beträgt der Anteil der Mädchen in technischen Lehrberufen nur 11 Prozent und in Höheren Technischen Lehranstalten (HTL) nur 17 Prozent. Die MINT-Studiengänge an Universitäten werden nur zu einem Fünftel von Frauen belegt, an den Fachhochschulen sind es mit 23 Prozent noch nicht einmal ein Viertel. Wenn Mädchen trotz dieser Hindernisse den Weg in einen MINT-Beruf finden, dann verläuft dieser oft nicht gradlinig, sondern führt über andere Ausbildungen und Tätigkeiten.  

Einige österreichische Initiativen wollen Frauen deshalb gezielt das Tor zu einem MINT-Beruf öffnen. Ein Beispiel dafür ist FIT – Fem*in Tech, ein Projekt des Vereins „sprungbrett“, in dem seit 30 Jahren spezifische Studieninformation und Berufsorientierung für Schülerinnen höherer Schulen in Wien, Niederösterreich und dem Burgenland angeboten wird mit dem Ziel, den Frauenanteil in MINT-Studienrichtungen und -Berufen zu vergrößern. Andere Beispiele sind Organisationen wie WOMENinICT oder IEEE, die die Sichtbarkeit von Frauen der IKT-Branche erhöhen bzw. Frauen in ihrer beruflichen Laufbahn als Ingenieurinnen und Wissenschaftlerinnen unterstützen möchten, während die Initiative She goes AI Frauen neue Wege in die KI aufzeigt.  

Das ipcenter dreht das Steuerrad mit den internationalen Projekten GEMS und AI4Her ebenfalls in diese Richtung. Was genau in diesen beiden Projekten passiert und wie dadurch der Anteil an Mädchen und Frauen im IKT-Bereich erhöht werden soll, lesen Sie im nächsten Beitrag!