Motivation und Hürden: Junge Frauen auf dem Weg in den IKT-Bereich
Umfrageergebnisse zwischen Begeisterung und strukturellen Herausforderungen
Der Fachkräftemangel im IKT-Sektor wird seit Jahren intensiv diskutiert. Gleichzeitig sind Frauen in digitalen und technischen Ausbildungs- und Studienwegen nach wie vor unterrepräsentiert.
Doch woran liegt das? Fehlt das Interesse – oder fehlen passende Rahmenbedingungen?
Im Rahmen des Erasmus+ Projekts GEMS – Girls’ Empowerment in Digital Skills sind wir dieser Frage nachgegangen und haben 79 junge Menschen im Alter von 14 bis 28 Jahren zu ihrer Motivation für eine Karriere im IKT-Bereich befragt.
Großes Interesse – aber kein selbstverständlicher Zugang
Die Ergebnisse zeigen ein differenziertes Bild:
Viele junge Frauen interessieren sich stark für digitale und technische Berufsfelder und sehen hier grundsätzlich Potenzial für sich. Besonders häufig genannt wurden Bereiche wie:
- Coding und Softwareentwicklung
- Mediendesign und digitale Gestaltung
- Game Design
- KI-gestützte Anwendungen und neue Technologien
Digitale Themen werden als kreativ, zukunftsorientiert und gesellschaftlich relevant wahrgenommen. Das Narrativ vom „mangelnden Interesse“ greift also zu kurz.
„Zu viel – zu schnell“: Überforderung im KI-Zeitalter
Gleichzeitig wird die Dynamik technologischer Entwicklungen – insbesondere im Bereich Künstliche Intelligenz – als belastend beschrieben.
Wiederkehrende Aussagen in der Befragung waren:
- Die Vielzahl an Tools ist schwer überschaubar.
- Technologische Entwicklungen verlaufen extrem schnell.
- Es entsteht das Gefühl, ständig hinterherzuhinken.
KI wird einerseits als faszinierend und chancenreich erlebt, andererseits als Quelle von Unsicherheit. Die Geschwindigkeit erzeugt Druck – vor allem bei jenen, die noch am Anfang ihrer Bildungs- oder Berufsentscheidung stehen.
Selbstzweifel als zentrales Hindernis
Ein besonders starkes Motiv in den Rückmeldungen sind Selbstzweifel:
- Bin ich gut genug für diesen Bereich?
- Habe ich das „richtige“ Talent?
- Kann ich langfristig mithalten?
- Werde ich den Erwartungen gerecht?
Diese Zweifel sind eng verknüpft mit gesellschaftlichen Zuschreibungen und stereotypen Vorstellungen von „angeborenem technischen Talent“. Mehrere Befragte beschrieben das Gefühl, sich im IKT-Bereich stärker beweisen zu müssen.
Strukturelle Barrieren statt fehlender Motivation
Neben persönlichen Unsicherheiten wurden auch strukturelle Faktoren genannt:
- Fehlender Zugang zu praktischer Erfahrung
- Wenig Berührungspunkte mit Role Models
- Unzureichende Informationen über konkrete Karrierewege
- Kaum niedrigschwellige Einstiegsmöglichkeiten in neue Technologien
Die Befragung macht deutlich: Das Problem ist nicht mangelnde Motivation. Das Potenzial ist vorhanden. Was häufig fehlt, sind Orientierung, transparente Zukunftsperspektiven und unterstützende Lernumgebungen.
💡GEMS: Raum für Chancengleichheit in der digitalen Bildung
Genau hier setzt GEMS – Girls’ Empowerment in Digital Skills an
Gemeinsam mit europäischen Partner:innen entwickeln wir geschlechtersensible, lernendenzentrierte Bildungsangebote im IKT-Bereich. Ziel ist es,
- Mädchen frühzeitig für digitale Themen zu begeistern,
- Studentinnen und junge Frauen gezielt zu unterstützen,
- weibliche Role Models sichtbar zu machen,
- Lehrende für genderresponsive Didaktik zu sensibilisieren
- und nachhaltige Strukturen für Chancengleichheit zu schaffen.
Damit leisten wir einen Beitrag zu einem inklusiven, innovativen und zukunftsorientierten Bildungssystem.
Unsere Vision ist klar: Bildung schafft Wege, eröffnet Perspektiven und stärkt Menschen darin, ihre beruflichen Ziele zu erreichen. Gerade im digitalen Wandel entscheidet der Zugang zu Kompetenzen über Teilhabe – am Arbeitsmarkt, an Innovation und an gesellschaftlicher Entwicklung. Die Ergebnisse unserer Befragung zeigen: Junge Frauen wollen Teil dieser Zukunft sein. Jetzt geht es darum, die Rahmenbedingungen so zu gestalten, dass aus Interesse konkrete Schritte werden – und aus Potenzial reale Karrieren im IKT-Bereich.


