GEMS und AI4HER: Zwei Projekte gegen den digitalen Gender-Gap

Mädchen und Frauen wählen nach wie vor selten eine Ausbildung in der Informations- und Kommunikationstechnologie (IKT) und arbeiten demzufolge auch selten in diesem Bereich. Was getan werden kann, sondern generell zu erhöhen, ist Ausgangsfrage des Erasmus+-Projekts GEMS (Girls‘ Empowerment in Digital Skills), an dem ipcenter mit Hochschulen, Forschungseinrichtungen und Organisationen aus mehreren europäischen Ländern arbeitet. Zusammen werden innovative Lernangebote und Empowerment-Formate entwickelt, mit deren Hilfe weibliche Talente sichtbar und die Kompetenzen von Mädchen und jungen Frauen in der IKT gestärkt werden. In eine ganz ähnliche Richtung geht das Projekt AI4HER: Ziel ist es zum einen, Frauen gezielt für KI-relevante Berufsfelder zu qualifizieren und zum anderen, Berufsbildungseinrichtungen dabei zu unterstützen, KI innovativ, inklusiv und praxisnah in ihre Programme zu integrieren.

GEMS: Schülerinnen und Studentinnen going for IKT
Foto von ipcenter Mitarbeiterin Olivia Schabowski

Bevor mit der Entwicklung dieses Bildungsangebots begonnen wurde, war es wichtig zu wissen, was für die Zielgruppe besonders interessant ist“, erläutert Olivia Schabowski, die das Projekt auf Seiten von ipcenter betreut. Eine Umfrage, die unter anderem bei den angehenden Medienfachkräfte der Überbetrieblichen Lehrausbildung (ÜBA) durchgeführt wurde, gab Aufschluss über die Zielgruppe.

Die 14- bis 28-Jährigen seien zwar sehr interessiert am technischen und kreativen Bereich und auch motiviert, in diesem Bereich zu arbeiten, sagt Olivia Schabowski.
Doch hätten sie auf der anderen Seite auch oft Selbstzweifel. So nennen sie beispielsweise die Angst davor, nicht gut genug zu sein und Erwartungen nicht erfüllen zu können. Obwohl bei älteren Generationen der Eindruck vorherrscht, dass Jüngere ganz selbstverständlich mit neuen Technologien umgehen, erleben viele der Befragten die rasante Entwicklung von KI als überfordernd, als zu viel und zu schnell, was zu Unsicherheit führt.

Die Projektpartner:innen in Italien, Spanien, Zypern und Slowenien hätten die Interessen und die Stimmungslage der jungen Zielgruppe ebenfalls erforscht, berichtet Oliva Schabowski. Aus den Ergebnissen der Umfragen werden dann die Inhalte, die zu vermitteln sind, abgeleitet. Ziel sei es, einen gemeinsamen Vorschlag zu erarbeiten: „Wir verstehen uns als europäische Einheit.

Angesetzt wird bereits im schulischen Bereich, für den Bildungsprogramme und Mentoring-Angebote entwickelt werden, um das Interesse von Schülerinnen der Sekundarstufe an IKT zu fördern. Für den IKT-Bereich an Hochschulen werden geschlechtersensible Lehrpläne und didaktische Methoden erarbeitet, außerdem sollen Studentinnen in IKT-Studiengängen unterstützt und Lehrende zu genderresponsiven Lehr- und Lernstrategien geschult werden.

AI4HER: Frauen going for KI

Eine Zusammenarbeit mehrerer europäischer Länder ist auch Grundlage eines zweiten Erasmus+-Projekts, mit dem die Kompetenzen von Frauen im Bereich IKT gestärkt werden sollen: AI4HER. Auch hier bilden Umfragen bei den Zielgruppen die Grundlage für eine erfolgreiche Projektarbeit: „Wir haben Trainer:innen und Pädagog:innen befragt, um herauszufinden, welche Themen ihnen beim Erlernen des Umgangs mit KI wichtig sind und was sie beim Lehren für besonders wichtig halten“, erläutert Olivia Schabowski.

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Ergebnis: Ethik, Datenschutz und Fairness sind ebenso bedeutsam wie eine verständliche und praxisnahe Einführung in die KI, insbesondere beim Prompting und bei der kritischen Bewertung jener Ergebnisse, die die KI liefert. Zum einen möchten die Frauen konkretes Fachwissen erwerben, also

etwa lernen, wie mit Hilfe von KI ein Bild generiert, ein Video oder Audio produziert oder eine Präsentation erstellt werden kann. Zum anderen geht es auch darum, mehr Selbstvertrauen und Motivation für den Umgang mit KI zu bekommen.

Anhand der Antworten aus der Umfrage definieren ipcenter und seine vier Projektpartner:innen die Lerninhalte und setzen diese für Präsenz- und Online-Lernen um. „Wir als ipcenter tragen in diesem Projekt besonders viel Verantwortung, da wir nicht nur das methodologische Handbuch mit vielen konkreten Inhalten erstellen, sondern auch am AI-Curriculum und an den Lerninhalten für das Online-Toolkit mitarbeiten“, sagt Olivia Schabowski. Um Frauen, die in KI-nahen Berufsfeldern, Aus- und Weiterbildungen unterrepräsentiert sind, ins Boot zu holen, orientieren sich die Lernangebote an der Praxis von drei Branchen: Tourismus, Gesundheit und kreative Berufe. So soll beispielsweise eine Krankenpflegerin lernen können,

wie sie die KI ganz konkret in ihre speziellen Tätigkeiten integrieren kann und wobei die KI die Rolle einer Assistentin übernehmen könnte.

„Der Zugang zu den Lerneinheiten ist grundsätzlich niedrigschwellig, ein Computer etwa ist nicht unbedingt nötig, das Smartphone reicht aus“, erklärt Olivia Schabowski. Auf diese Weise sollen auch Frauen erreicht werden, die keine oder wenig Vorkenntnisse haben, damit sich der Gap zwischen den Geschlechtern möglichst umfassend schließt.