Eine Präsentation auf Deutsch? Kein Problem! Wie praxisnahe Sprachkurse berufliche Hürden abbauen

Ein Gruppenraum im Kindergarten ist dauerhaft leer, weil es kein Personal gibt? Wiener Eltern von kleinen Kindern kennen diese Situation, denn stadtweit fehlen mehrere hundert Elementarpädagog:innenUm diese große Lücke schließen zu können, bietet ipcenter, das seit vielen Jahren Sprachvermittlung mit arbeitsmarktorientierter Qualifizierung verbindet, im Auftrag vom AMS Deutschkurse mit Praxis im Kindergarten an.  

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Insgesamt rund 50 Teilnehmende besuchen an zwei Tagen in der Woche für jeweils sechs Stunden einen Deutschkurs auf dem Sprachniveau B1 oder B2. An zwei anderen Tagen in der Woche machen sie ein Praktikum in einem Kindergarten der Stadt Wien. So erwerben sie gezielt jene Sprachkenntnisse, die sie auf die folgende Ausbildung an einer der Wiener Bundesbildungsanstalten für Elementarpädagogik (BAfEP) und die anschließende Tätigkeit in einem Kindergarten vorbereiten.

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Theorie und Praxis gehen dabei Hand in Hand: „Nach den berufspraktischen Tagen im Kindergarten erzählen die Teilnehmer:innen oft von ihren Erlebnissen“, berichtet Deutschtrainer Pierre Kazezian. Diese Erfahrungen werden von ihm und seiner Kollegin Stasa Ivkovic aufgegriffen: „Wir haben zum Beispiel darüber gesprochen, welche Arbeiten im Kindergarten anfallen. In der Folge haben wir erst über Rechte und Verpflichtungen diskutiert, danach ein YouTube-Video zum Thema gesehen und dann einen Artikel dazu gelesen“, erzählt Stasa Ivkovic.

Abgeschlossen wurde die von der Praxis inspirierte Deutscheinheit, indem die angehenden Elementar- und Assistenzpädagog:innen einen Aufsatz über ihre Rechte und Verpflichtungen im Kindergarten schrieben. So entsteht ein Lernsetting, das reale berufliche Situationen abbildet und Teilnehmende gezielt auf die Anforderungen vorbereitet, denen sie im Kindergartenalltag tatsächlich begegnen.

Wiederholte Präsentationen dienen dazu, eine große Hürde in Hinblick auf die Ausbildung zu überwinden. Die Angst vor Fehlern kann uns so blockieren, dass wir noch nicht einmal mehr einfache Sachen sagen können“, weiß Stasa Ivkovic, die Deutsch selbst nicht als Erstsprache erlernt hat. Indem die Teilnehmenden immer wieder nach vorn kommen und verschiedene Themen auf Deutsch präsentieren, bauen sie Hemmungen ab.

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Unterstützung dabei, sich auf dem Weg in den Beruf neuen Herausforderungen zu stellen, bekommen die Teilnehmer:innen von der Deutschtrainerin Brigitte Schmitzberger, die als Coach fungiert. „In Einzelcoachings aktualisieren wir Lebensläufe und arbeiten gemeinsam an

den Motivationsschreiben, die die Teilnehmenden entworfen haben.“ Bei der Vorbereitung auf die Eignungsprüfung an einer BAfEP unterstützt sie die Kandidat:innen, indem sie ihnen passendes Material heraussucht. Wichtig sei, sich von Absagen nicht entmutigen zu lassen, meint Brigitte Schmitzberger: „Durchhaltevermögen zu entwickeln zahlt sich aus.“

Die Motivation, gut Deutsch zu lernen, werde auch durch das Gefühl gestärkt, Teil einer Kursgruppe zu sein, deren Mitglieder trotz ganz unterschiedlicher Herkunft durch das gemeinsame berufliche Interesse sehr schnell zu einer engen Gemeinschaft zusammenwachsen. Zu sehen, dass die anderen motiviert sind, ist oft ansteckend“, sagt Stasa Ivkovic.

Nach zwei Tagen Kurs und zwei Tagen Kindergarten werden freitags Ausflüge angeboten, bei denen sich die angehenden Elementar- und Assisstenzpädagog:innen mit Zielen vertraut machen, die sie später mit Kindergruppen besuchen könnten.

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„Wir waren im Stadtpark, wo es einen großen Spielplatz und das JohannStraußDenkmal gibt“, erzählt Pierre Kazezian, dem es ein Anliegen ist, seine Teilnehmer:innen mit der Kultur Wiens und insbesondere mit seiner Musik vertraut zu machen, um so

die Integration zu fördern: „Wir arbeiten im Kurs auch mit Liedtexten von Falco.“

Die Biografie eines Komponisten zu schreiben, gehört zu jenen Übungen, mit der die Fertigkeit des Schreibens auf Deutsch trainiert wird. „Unsere wichtigste Aufgabe ist es schließlich, dass die Teilnehmenden am Ende des Kurses ihre Prüfungen bestehen“, meint Stasa Ivkovic. Wer als Assistenzpädagog:in in einem städtischen Kindergarten arbeiten möchte, muss das Sprachniveau B2 nachweisen, die Elementarpädagog:innen benötigen C1-Niveau, das ebenfalls in speziellen ipcenter-Deutschkursen erworben werden kann. Teilnehmende werden darin gezielt auf höhere sprachliche Anforderungen im Berufs- und Ausbildungsbereich vorbereitet und ihre nachhaltige Integration in den Arbeitsmarkt wird unterstützt“, sagt Mirjeta Shatri, die das Team vom ÖIF-Startpaket Deutsch und Integration leitet.

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Indem sie die Prüfung erfolgreich absolvieren, nehmen die Teilnehmenden der Deutschkurse mit Praxis im Kindergarten eine weitere große Hürde auf dem Weg in eine berufliche Zukunft, in der sie dringend benötigt werden.

Keine Angst vor Fehlern zu haben sei essenziell dafür, diesen Weg erfolgreich zu Ende zu gehen, sagt Stasa Ivkovic. „Ich sehe bei all meinen Teilnehmer:innen eine Entwicklung und ich lobe sie immer dafür. Auch wenn die Schritte manchmal klein sind – letztlich führen sie doch ans Ziel.“ Und belegen so, wie sprachliche Qualifizierung dazu beitragen kann, dringend benötigte Fachkräfte für den Arbeitsmarkt zu gewinnen.