Die ÜBA: Gewinn für die Wirtschaft

Die ÜBA? Ist das nicht ein AMS-Kurs für Jugendliche, in dem berufliche Theorie und kaum Praxis vermittelt wird? Falsch! Zwar wird die ÜBA vom AMS (und in Wien auch vom waff) finanziert, aber das ist auch schon alles, was an dieser Aussage stimmt. Was die ÜBA tatsächlich ist und leistet, wie das ipcenter sie von Anfang an mit umgesetzt hat und warum sie , sondern auch für die österreichische Wirtschaft und Gesellschaft von großer Bedeutung ist, beleuchten wir in einer dreiteiligen Serie. In Teil 3 zeigen wir, wie die Wirtschaft von der ÜBA profitiert.

Die Unternehmen in Österreich brauchen Fachkräfte, aber sie bilden sie immer seltener selbst aus. „Die Betriebe haben oft nicht die Zeit dafür, insbesondere wenn die Jugendlichen viele Problemlagen mitbringen“, erklärt ipcenter-Geschäftsführerin Monika Kovacs. Gleichzeitig wächst speziell in Wien die Zahl der Jugendlichen, die eine Perspektive benötigen. „Fehlt sie ihnen, erwachsen daraus auch gesellschaftliche Probleme.“

Immer weniger Lehrbetriebe

Nach Angaben des Österreichischen Gewerkschaftsbunds ist die Zahl der Lehrbetriebe von 38.132 im Jahr 2007 auf 25.168 Ende 2025 gesunken. Nur noch 14,2 Prozent aller Arbeitgeberbetriebe würden Lehrlinge ausbilden, in zukunftsträchtigen Branchen wie dem Tourismus seien es sogar weniger als 10 Prozent der Betriebe.

Nach Einschätzung der ipcenter-Geschäftsführerin gibt es eine Kluft zwischen dem, was die Jugendlichen von der Schule mitbringen, und dem, was sich die Arbeitgeber:innen wünschen. „Dieser Gap wird leider von Jahr zu Jahr größer, was nicht nur an fehlenden Deutschkenntnissen liegt, sondern oft auch daran, dass die Persönlichkeit, die die Arbeitgeber:innen erwarten, bei Schulabschluss noch nicht reif ist.“

Genau hier setzen die Überbetriebliche Lehrausbildungen (ÜBA) im ipcenter an, bei denen es sich um vollwertige Berufsausbildungen inklusive Berufsschulbesuch, Praxis und regulärem Lehrabschluss handelt. „Das ist das schöne Konzept der ÜBA, weil die Jugendlichen ohne diese Begleitung nie eine Lehrstelle bekommen würden. Und wenn sie nicht als Jugendliche am Arbeitsmarkt andocken können, werden sie es nie können“, sagt Monika Kovacs.

neue augenoptik lehrlinge bei ipcenter

„Ohne ÜBA würden die Fachkräfte von morgen fehlen, die wir dann vielleicht aus dem Ausland zu uns holen müssen, während die Jugendlichen hier keine Chance bekommen würden. Es ist wirklich ein Herzensthema, nicht nur für mich, sondern für alle, die hier im ipcenter in die ÜBA involviert sind, denn wir begleiten junge Menschen und sehen am Ende den Erfolg.“

„Von den mit der ÜBA beauftragten Unternehmen erwarten wir, dass sie hohe Qualitätsansprüche an die Ausbildung anlegen, neue Ansätze und Innovationen in die Ausbildung tragen und den Lehrlingen Selbstsicherheit und Berufsstolz vermitteln.“

Marko Miloradović, Geschäftsführer waff

Auch wenn in der Überbetrieblichen Lehrausbildung ein vollwertiger Lehrabschluss erworben werden kann, ist es erklärtes Ziel, die Jugendlichen so früh wie möglich an Betriebe zu vermitteln, damit sie dort ihre Ausbildung abschließen. „Wir versuchen, die Lehrlinge relativ bald an die betrieblichen Anforderungen zu gewöhnen, damit das ipcenter nicht zu einem Wohlfühlnest wird“, erläutert Monika Kovacs. Im ersten Lehrjahr fangen die Jugendlichen mit Schnupperpraktika an, dann werden die Praktika immer länger und anspruchsvoller. Durchschnittlich 900 Praktika oder 12000 Praktikumstage vermitteln die ipcenter-pro Jahr. Wenn der Betrieb signalisiert, dass eine Übernahme des Lehrlings infrage kommt, werden auch längere Praktika ermöglicht. „Unsere Berater:innen matchen dabei individuell“, erklärt Monika Kovacs: „Sie lassen sich die Anforderungen der Betriebe erklären und suchen die dazu passenden Lehrlinge aus.“ Friseurgeschäfte beispielsweise verlangen je nach Bezirk bestimmte Sprachkenntnisse und Kompetenzen sowie ein bestimmtes Auftreten von den Lehrlingen.

Lehrlinge der ÜBA Kosmetik & Fußpflege vor dem bodyGoSpa

Wenn ein Betrieb Interesse an einer Übernahme hat, wird er von den Betriebskontakter:innen auch in Hinblick auf Förderungen beraten. Auf diese Weise kommt es zu etwa 40 Übernahmen jährlich, was in den 25 Jahren ÜBA im ipcenter insgesamt etwa 1000 erfolgreiche Vermittlungen ergibt. Vorteil für die Lehrlinge ist dabei, dass sie im Anschluss an die Ausbildung in der Regel vom Betrieb übernommen werden.

„Idealerweise ist die ÜBA nur das Sprungbrett. Bei ganz vielen funktioniert das auch.“

Ein Pluspunkt bei der ÜBA ist, dass die Jugendlichen breiter ausgebildet sind und individueller gefördert werden können. So gibt es z. B. Unterstützungsprogramme für Jugendliche, die Deutsch nicht als Muttersprache haben, und sozialpädagogische Betreuung. Zudem stellt das AMS extern psychologische Unterstützung bereit. „Der Hauptvorteil für die Betriebe ist aus meiner Sicht, dass wir den Lehrling wieder in die ÜBA aufnehmen können, wenn er:sie sich nach der Übernahme doch nicht als passend herausstellt, und dass wir einen anderen Lehrling vorschlagen können“, sagt die ipcenter-Geschäftsführerin. „Die Unternehmen tragen also praktisch kein Risiko, wenn sie einen Lehrling übernehmen.“ Sie schätzen es vielmehr sehr, dass die Lehrlinge aus dem ipcenter in der Regel besser vorbereitet sind, schon die Grundkompetenzen beherrschen und wissen, wie mit Kund:innen kommuniziert wird. „Die pflegeleichteren Lehrlinge sind die, die von der ÜBA kommen, auch deswegen, weil die Betriebe die Entwicklung während des Praktikums uns überlassen können. Wenn eine Nachschulung notwendig ist, etwas wegen des Auftretens oder der Pünktlichkeit zu besprechen ist, gehen wir dem nach, so dass anschließend der fitte Lehrling wieder im Betrieb ist“, erläutert Monika Kovacs.

Übungssalon der ÜBA Friseur:in (Stylist:in)

Bei einer Übernahme in den Betrieb wechselt die Zuständigkeit dorthin, aber auch dann steht das ipcenter noch für Rückfragen und gegebenenfalls für einen Austausch des Lehrlings zur Verfügung. „Die Unternehmen haben dabei also eigentlich nur Vorteile. Eine anfängliche Skepsis, die sich aus der Annahme speist, dass wir nur theoretisch ausbilden, legt sich schnell, wenn wir zeigen wir praxisnah unsere Ausbildung zum Beispiel dank der Übungssalons ist. Wir laden neue Unternehmen deshalb gern ein und zeigen vor Ort, wie wir arbeiten und dass die ÜBA eine fundierte Praxisausbildung ist.“

Lesen Sie in Teil 1 der Serie, wie die ÜBA vor rund 25 Jahren im ipcenter begann, und in Teil 2 der Serie, dass die ÜBA viel mehr als nur fachliche Kompetenzen vermittelt.