Die ÜBA: Erfolgsgeschichte mit Zukunft
Die ÜBA? Ist das nicht ein AMS-Kurs für Jugendliche, in dem berufliche Theorie und kaum Praxis vermittelt wird? Falsch! Zwar wird die ÜBA vom AMS (und in Wien auch vom waff) finanziert, aber das ist auch schon alles, was an dieser Aussage stimmt. Was die ÜBA tatsächlich leistet, wie das ipcenter sie von Anfang an mit umgesetzt hat und warum sie nicht nur Jugendliche, sondern auch für die österreichische Wirtschaft und Gesellschaft von großer Bedeutung ist, beleuchten wir in einer dreiteiligen Serie. In Teil 1 erfahren Sie alles über ihre Entstehung und die Entwicklung des ÜBA-Angebots im ipcenter.
Beginnen wir damit, was die ÜBA eigentlich ist: eine Überbetriebliche Lehrausbildung für Jugendliche in Österreich, die nach der Schulpflicht keine Lehrstelle in einem Betrieb finden. Sie wird in Bildungseinrichtungen wie dem ipcenter angeboten und ist der regulären Lehre rechtlich gleichgestellt. Während der ÜBA bekommen Jugendlichen eine Ausbildungsbeihilfe vom AMS; in Wien beteiligt sich auch der waff an der Finanzierung.
„Von der Ursprungsidee einer Kompensation fehlender betrieblicher Lehrstellen ist die ÜBA zu einem zentralen Instrument der Jugendarbeitsmarktpolitik herangewachsen. Niemand begreift sie heute noch als Kompensationsmaßnahme, sondern sie steht zunehmend für Qualität in der Berufsausbildung. Da die Zahl der Lehrstellen weiterhin abnimmt und wir es uns als Gesellschaft nicht leisten können, junge Menschen ohne Ausbildung in den Arbeitsmarkt zu entlassen, ist und bleibt die ÜBA alternativlos. Egal wohin die Reise im Verlauf des Erwerbslebens hingehen wird – eine abgeschlossene Erstausbildung bildet das Fundament für die individuelle berufliche Entwicklung.“
Ziel der ÜBA ist es, während der Ausbildung von einem Betrieb übernommen zu werden und die Lehre dort zu abzuschließen, wobei es auch möglich ist, bis zur Lehrabschlussprüfung (LAP) beim Anbieter der ÜBA zu bleiben. „Die ÜBA ist kein Kurs, sondern eine vollwertige Lehrausbildung, die im Vergleich zu einer Lehre in einem Betrieb sogar ein breiteres Spektrum bietet“, erklärt ipcenter-Geschäftsführerin Monika Kovas und entkräftet auch gleich Vorurteil Nummer 2: „Viele denken, dass die LAP nicht dieselbe ist wie nach der Ausbildung in einem Betrieb. Tatsächlich ist sie genau gleich und die Lehrlinge bekommen genau das gleiche Zeugnis.“
Entstanden ist die ÜBA Mitte der 1990er-Jahre als Antwort auf fehlende betriebliche Lehrstellen. Im Zuge des Nationalen Aktionsplans für Beschäftigung (NAP) war zunächst das Jugendausbildungssicherungsgesetz (JASG) beschlossen und eine überbetriebliche Form der dualen Ausbildung eingerichtet worden. 1998 wurde das offizielle „Auffangnetz“ vom Arbeitsmarktservice (AMS) für Lehrstellensuchende gespannt, 2008/2009 wurde die ÜBA als regulärer Bestandteil der dualen Berufsausbildung etabliert. Seit 2010 gibt es mit der Wiener Ausbildungsgarantie ein lückenloses Angebot für Jugendliche am Wiener Arbeitsmarkt: Wenn sie eine Ausbildung machen wollen, bekommen sie entweder einen Lehrplatz, eine Qualifizierung oder ein unterstützendes Beratungs- und Begleitungsangebot, falls sie nicht wissen, wie es weitergehen soll.
„Jeder junge Mensch verdient die Chance auf einen erfolgreichen Start ins Berufsleben. Die Überbetriebliche Lehrausbildung bietet diese Chance für Jugendliche, die noch keinen betrieblichen Ausbildungsplatz gefunden haben, und ermöglicht ihnen den Erwerb eines anerkannten Lehrabschlusses.
Das AMS finanziert die ÜBA, weil sie Perspektiven schafft, Beschäftigungschancen verbessert und einen wichtigen Beitrag zur Fachkräftesicherung leistet.“
Etwa 200 Jugendliche fangen pro Jahr eine ÜBA im ipcenter an, insgesamt waren es seit dem Start des Angebots vor rund 25 Jahren bereits ca. 5000 Lehrlinge (inkl. JASG-/NAP-Lehrgänge). „Begonnen haben wir mit den Medienberufen, da das ipcenter einen EDV-Schwerpunkt hatte“, erinnert sich Geschäftsführerin Monika Kovacs. „Bei der Ausschreibung hatten wir uns aber auch für die Lehrberufe Friseur:in, Kosmetik und Fußpflege beworben, die in der Berufsobergruppe Gesundheit, Körperpflege, Schönheit verankert sind. Dafür haben wir auch den Zuschlag bekommen und sind daher seit rund 25 Jahren auch in diesem Bereich tätig.“
Bevor die ersten Lehrlinge starten konnten, mussten Werkstätten, Übungssalons und ein Modellbetrieb ausgestattet werden. Außerdem wurde Personal gesucht (und gefunden!), das nicht nur ausgezeichnete Fachkenntnisse hat, sondern auch gut mit Jugendlichen umgehen kann – „eine Kombination, die nicht immer selbstverständlich ist“,

weiß Monika Kovacs. Seit ihren Anfängen ist die ÜBA im ipcenter vielfältiger geworden, indem in der Obergruppe Gesundheit, Körperpflege, Schönheit weitere Berufe wie Augenoptik, Hörgeräteakustik und zuletzt Fitnessbetreuung dazugekommen sind.
Mit den Ausbildungsordnungen wandeln sich auch die Lehrberufe: „Kosmetik und Fußpflege sind zum Beispiel intensiver und medizinischer geworden, da ist es jetzt etwa notwendig auch die lateinischen Begriffe zu können und auch verstärkt Krankheitsbilder zu erkennen. In solchen Fällen muss die Ausstattung nachjustiert und das Personal entsprechend geschult werden, um das volle Ausbildungsbild vermitteln zu können“, erläutert Monika Kovacs.
Da verpflichtende Praktika in Betrieben Teil der Ausbildung sind, damit die Inhalte breiter gezeigt und die Jugendlichen Praxisluft z. B. durch Termindruck bei der Arbeit und Umgang mit realen Kund:innen schnuppern können, ist eine enge Kooperation mit der Wirtschaft Voraussetzung. „Mittlerweile arbeiten wir mit lauter Stammbetrieben zusammen.“ Aufzubauen war außerdem die inhaltliche und organisatorische Zusammenarbeit mit den Berufsschulen, die die Lehrlinge verpflichtend besuchen. „Wir tauschen uns darüber aus, was die einzelnen Lehrlinge brauchen und wie wir sie zum Beispiel im Fall unregelmäßiger Anwesenheit unterstützen können.“
Aktuelle Herausforderungen würden zum einen im kulturellen, zum anderen im technischen Bereich liegen, erklärt die ipcenter-Geschäftsführerin: „Weil die Zielgruppen der Einwanderungsjahre aus Syrien und Afghanistan jetzt in der ÜBA, insbesondere in den Gesundheitsberufen, ankommen, beschäftigt uns neben dem Thema Deutsch auch die interkulturelle Thematik. Mädchen wollen wir darin bestärken, ihre Ausbildung zu

machen; bei den Burschen geht es oft darum, den Rahmen einzuhalten, damit eine gute gemeinsame Ausbildung funktionieren kann. Dankenswerterweise wurde Deutsch vom AMS in einem Extra-Förderprogramm ergänzt, was wir für ganz wichtig halten.“
Ebenso nehmen Digitalisierung und KI Einfluss auf die ÜBA. Derzeit werden die Lehrberufe teilweise in Frage gestellt oder neu ausgerichtet, indem z. B. die KI gut im Lehrberuf der Medienfachkraft verankert wird. „Die Schwerpunkte werden sich ändern, was für uns heißt, dass wir mittlernen und mitentwickeln müssen, um weiterhin eine gute Qualität der Ausbildung zu sichern.“ Gesundheitsberufe seien von der KI-Dynamik zwar noch nicht so stark betroffen, aber auch hier sei es wichtig, der Entwicklung zu folgen und z. B. beim Schminken KI-Beratung mit Tablets einzusetzen, sagt Monika Kovacs. „Wir sind so flexibel, erfahren und kompetent, dass wir auch gern bereit sind, die Ausbildungsverantwortung für neue Berufen zu übernehmen, die im Zuge dieser Dynamik auftauchen.“
Weitere Beiträge zu diesem Thema

Die ÜBA: Erfolgsgeschichte mit Zukunft
24. September 2026

„Wollen ist der erste Schritt. Dann muss man machen!“
18. Juni 2026

Mit dem Skateboard auf Fotojagd
15. Januar 2026

Wenn der Computer die Nachtschicht verweigert und das Licht Pause macht
4. Dezember 2025


