Fix zur Fachkraft: Von der Basisbildung direkt in die Berufsausbildung

Wer nach Österreich kommt, bringt oft mehr mit als nur den Wunsch nach einem Neuanfang: Motivation, Fähigkeiten und berufliche Ziele. Die Herausforderung besteht darin, diese Potenziale möglichst rasch in Ausbildung und Beschäftigung zu überführen. Genau hier zeigt sich die Bedeutung gut aufeinander abgestimmter Bildungsangebote. Im ipcenter wurden bis Juni 2026 insgesamt 134 Teilnehmer:innen vom Jugendcollege zum Berufs-Check zugebucht; 17 Jugendliche sind direkt vom Jugendcollege in eine Überbetriebliche Lehrausbildung (ÜBA) am ipcenter-Standort Breitenfurter Straße gewechselt, wo sie sich zu Medienfachkräften, Augenoptiker:innen, Hörgeräteakustiker:innen, Friseur:innen (Stylist:innen) oder Kosmetiker:innen und Fußpfleger:innen ausbilden lassen.

Drei von ihnen – Asia Hamdam, Jamila Aughoorbaha und Sabri Abdulkadir – stellen wir in diesem Beitrag vor. Sie stehen stellvertretend für viele junge Menschen, die über das Jugendcollege erste Schritte in Österreich machen und direkt anschließend den Weg in eine qualifizierte Berufsausbildung finden. „An diesen Beispielen ist zu sehen, wie gut der Anschluss vom Jugendcollege in die Überbetriebliche Lehre funktioniert. Sie sind ein Beleg für die Durchlässigkeit zwischen Jugendcollege und ÜBA“, sagt ipcenter-Geschäftsführerin Monika Kovacs.

Während das von AMS Wien und Stadt Wien beauftragte Jugendcollege den Erwerb von Deutschkenntnissen und grundlegenden Basisbildungskompetenzen unterstützt, schafft die von AMS und waff unterstützte ÜBA die Voraussetzungen für ein qualifiziertes Berufsleben. Gerade diese enge Verzahnung von Basisbildung und Berufsausbildung ist ein wichtiger Beitrag für den Arbeitsmarkt: Sie eröffnet jungen Menschen berufliche Perspektiven und hilft gleichzeitig dabei, dringend benötigte Fachkräfte für Unternehmen auszubilden. Oder, wie Monika Kovacs es formuliert: „Wir tragen so zur Heranbildung dringend benötigter Fachkräfte bei.“

Von der Matura in Afghanistan zur ÜBA Medienfachkraft

Asia Hamdam kam 2023 nach ihrer Matura in Afghanistan nach Österreich. Ihr erstes Ziel war klar: möglichst schnell Deutsch lernen. Über Kurse an der VHS erreichte sie das Niveau B2, bevor sie vom AMS ins Jugendcollege #advanced OST vermittelt wurde. Dort lernte sie nicht nur die Sprache weiter, sondern auch, wie Bewerbungen in Österreich funktionieren. „Das Wichtigste war für mich, das Bewerbungssystem zu verstehen“, erzählt sie. Trotz mehrerer Versuche erwies sich die Lehrstellensuche als schwierig. „Mit 22 Jahren einen Ausbildungsplatz zu finden, war nicht unmöglich, aber sehr schwer. Deshalb ist die ÜBA eine große Chance für uns.“
Den entscheidenden Schritt ermöglichte ein viertägiger Berufs-Check im ipcenter. Dort entdeckte Asia die Ausbildung zur Medienfachkraft für sich. Kreativität begleitet sie schon lange: Bereits vor ihrer Ausbildung gestaltete sie Visitenkarten und Einladungskarten für Familie und Freunde. “Für mich war der Übergang vom Jugendcollege in die ÜBA gar kein Problem, ich habe schnell Anschluss gefunden. Dass wir im Jugendcollege unser Deutsch verbessert haben, hat uns bei den Bewerbungen sehr geholfen.”

Asia Hamdam arbeitend am Computer

Heute absolviert Asia ihre Ausbildung zur Medienfachkraft und arbeitet an Projekten vom Verpackungsdesign bis zu digitalen Medienformaten. Besonders interessieren sie Grafikdesign und digitales Marketing. Um Erfahrung zu sammeln, sucht sie aktuell nach einem Praktikumsplatz
„Ich habe eine kleine Wohnung, meinen Job, meine Freiheit und mache etwas Sinnvolles aus meinem Leben“, sagt sie. In fünf Jahren möchte sie ihre Ausbildung abgeschlossen haben, in einem Unternehmen arbeiten und zusätzlich eigene Projekte umsetzen.

Von Vorbild der Tante zur ÜBA Kosmetik und Fußpflege

Für Jamila Aughoorbaha stand ihr Berufswunsch schon früh fest: Ihre Tante arbeitete als Kosmetikerin und Fußpflegerin und Jamila sah ihr als Kind gern dabei zu, wie sie Nägel lackierte. Nach ihrer Flucht aus Syrien kam sie 2016 nach Wien, besuchte eine Mittelschule und später die VHS. Auf der Suche nach einer Lehrstelle wurde sie von ihrer AMS-Beraterin ins Jugendcollege – Wien #advanced SÜD vermittelt. Dort verbesserte sie ihre Deutschkenntnisse, absolvierte einen Kurs zur Jobsuche und gewann Sicherheit im Bewerbungsprozess. Über ihre Trainerin erhielt sie schließlich die Möglichkeit, im ipcenter ein Praktikum im Bereich Kosmetik und Fußpflege zu absolvieren. „Nach vier Tagen stand ich bereits auf der Warteliste für die ÜBA, wenige Tage später hatte ich die Zusage“, erzählt sie.

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Seit September 2025 absolviert sie ihre Ausbildung zur Kosmetikerin und Fußpflegerin. Besonders schätzt sie die Möglichkeit, trotz schwieriger Lehrstellensuche einen Ausbildungsplatz erhalten zu haben. Neben fachlichen Kompetenzen hat sie vor allem in der Kommunikation mit Kund:innen, in der Teamarbeit und im selbstständigen Arbeiten viel

gelernt. „Früher fiel es mir schwer, mit Kund:innen zu sprechen. Heute habe ich viel mehr Routine und fühle mich superwohl hier.“

Vom Berufswunsch Zahnfachassistentin zur ÜBA Augenoptik

Auch Sabri Abdulkadir suchte lange nach dem passenden beruflichen Weg. Nach der Mittelschule besuchte sie zunächst ein Gymnasium und interessierte sich später für medizinische Berufe. Praktika als Zahnfachassistentin zeigten jedoch, dass dieser Beruf nicht der richtige für sie war.
Über ihre AMS-Beraterin kam Sabri ins Jugendcollege #advanced OST. Dort vertiefte sie ihre Kenntnisse in Deutsch, Mathematik, Englisch und Informatik und bereitete sich auf Bewerbungen in Österreich vor. Ihr Berufswunsch damals war Pharmazeutische Assistentin.

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Da sie jedoch keine Lehrstelle fand, vermittelte ihre Trainerin sie für vier Probetage im Bereich Augenoptik ins ipcenter. „Es hat mir sofort gefallen und auch die Rückmeldungen waren positiv“, erinnert sie sich. Seit September 2025 absolviert sie nur ihre ÜBA zur Augenoptikerin und schätzt daran besonders die Verbindung aus medizinischem Fachwissen, Handwerk und Kundenkontakt. Ihre Kenntnisse aus dem Jugendcollege helfen ihr dabei bis heute. „Mathe und Deutsch brauche ich hier jeden Tag.“

Mittlerweile absolviert sie ihr erstes selbst organisiertes Praktikum bei einem Optikerbetrieb. Dort erlebt sie den Berufsalltag direkt. „Im Praktikum merkt man, wie es im echten Leben läuft. Die ÜBA bereitet uns genau darauf vor.“ Langfristig möchte sie ihre Ausbildung in einem Betrieb fortsetzen. Später kann sie sich sogar vorstellen, ein eigenes Geschäft zu führen.

Jugendcollege → ÜBA (Stand Juni 2026)

  • 134 Teilnehmer:innen vom Jugendcollege zum Berufs-Check zugebucht
  • 17 direkte Übertritte in die ÜBA
  • Ausbildung in mehreren Fachkräfteberufen
  • Übergang von Basisbildung in Berufsausbildung
  • Unterstützung durch AMS Wien, Stadt Wien und waff
  • Fokus auf nachhaltiger Arbeitsmarktintegration