Gamechanger Auslandspraktikum: YouGo:EU! lässt junge Menschen über sich hinauswachsen
Von der Apotheke in den Kindergarten, von Schönbrunn zur Seestadt Aspern: Die Praktikant:innen, die im Rahmen des transnationalen Projekts YouGo:EU! nach Wien gekommen sind, um sich persönlich wie beruflich neu zu orientieren, haben in den zwei Monaten ihres Aufenthalts viel Neues sowohl über ihre Entwicklungsmöglichkeiten als auch über ihr Gastgeberland gelernt. „Das Projekt ist ein Türöffner zurück in die Gesellschaft, indem neue soziale und berufliche Kontakte entstehen“, erklärt Michaela Mauer, die YouGo: EU! für das ipcenter koordiniert. „Es geht nicht nur um Fachwissen, sondern auch um Soft Skills, zum Beispiel ums Dranbleiben, auch wenn es einmal anstrengend oder herausfordernd ist.“

Diese Fähigkeit wurde vor allem am Anfang auf die Probe gestellt, und zwar auf beiden Seiten: Für die jungen Gäste, die aus benachteiligten Verhältnissen stammen und ihr Heimatland Deutschland zum größten Teil noch nie verlassen haben bzw. aus einer Krisenregion nach Deutschland geflüchtet sind, war die Ankunft in Österreich vom Zugangscode zu den gemieteten Wohnungen über Einkaufsgelegenheiten in der Nähe bis hin zu den Fahrtmöglichkeiten zum ipcenter mit etlichen Fragezeichen verbunden. Und auch die Verantwortlichen für dieses erstmalig durchgeführte Projekt im Rahmen des Programms JUVENTUS: Mobilität stärken – für ein soziales Europa, das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und von der Europäischen Union gefördert wird, standen vor Herausforderungen: „Wir hatten eine intensive Anlaufphase, die Prozesse mussten zu Beginn feinjustiert werden“, erzählt Michaela Mauer.
Schwieriger als gedacht war es zum Beispiel, für jede:n das passende Praktikum zu finden. „Die Suche nach dem perfekten Match zwischen spezifischen Wünschen, die sich teils auf Nischenbereiche richteten, und regionalen Betrieben war sehr zeitintensiv.“ Umso wertvoller ist es, wenn den Gästen doch eine Erprobungszeit ermöglicht werden konnte, in deren Verlauf anfängliche Hemmungen und Ängste vor dem Unbekannten abgebaut und durch positive Lernerfahrungen ersetzt werden konnten.

Heike Pfaue ist das beste Beispiel dafür. „Sie gehört zu denen, die es gewagt haben, sich auf etwas Neues einzulassen, und dabei über sich hinausgewachsen sind“, lobt Michaela Mauer. Die 28-jährige Deutsche hat noch keine Ausbildung gemacht, aber durch das Praktikum
endlich einen passenden beruflichen Weg gefunden: „Mein Praktikum im Infrastruktur- und IT-Bereich vom ipcenter hat mir total Spaß gemacht“, sagt sie, und in ihrem Lächeln zeigt sich echte Freude über diese schöne Erfahrung. „Wenn zum Beispiel ein Beamer in einem Kursraum nicht funktioniert hat, habe ich dabei geholfen, ihn wieder in Betrieb zu setzen.“ Dass ihre Kolleg:innen sehr nett waren und die Atmosphäre sehr familiär, habe ihr geholfen, die anfängliche Nervosität schnell abzubauen und zu erkennen, dass sie sich in diesem beruflichen Bereich sehr wohl fühlt: „So etwas könnte mir als Job gefallen!“ Ein echter Gamechanger also für die zurückhaltende junge Deutsche, die zwei Monate zuvor gesagt hatte, dass sie eigentlich gar nicht der Typ für so ein Projekt im Ausland sei, da sie sehr gern zu Hause sei.
Wichtige und gute Erfahrungen gemacht haben auch Dominik Boegen und Eftekhar Mayjan. Dominik, der sich für Gesundheit und Soziales interessiert, hat folgerichtig in beide Bereiche hineingeschnuppert. „Zuerst war ich in einer Apotheke, wo ich Salben hergestellt, Medikamente am PC eingescannt und eingeräumt und ab und zu sogar jemanden beraten habe.“ Dabei habe er viel gelernt – unter anderem auch, dass dieser Beruf keiner sei, den er sein Leben lang machen wolle: „Die Arbeit war mir zu eintönig.“ Mehr Abwechslung bot das zweite Praktikum in einem Kindergarten: „Dort habe ich sehr gute Erfahrungen gemacht.“

Eftekhar, der nach dem Schulbesuch in Afghanistan Elektroingenieur werden wollte, hat sein Praktikum bei einer Wiener Firma absolviert, die Haushaltsgeräte repariert. „Die Arbeit war sehr super, und ich habe zugleich besser Deutsch gelernt und viele Kontakte geknüpft.“ In seiner Freizeit hat Eftekhar mit dem Handy viel über Wien und Österreich recherchiert, etwa über gemeinsame Ausflugsziele wie
Schönbrunn, den Stephansdom und die Seestadt Aspern. „Wir haben uns auf diese Weise auch kulturell sehr weiterentwickelt“, meint Dominik, der sein Wissen durch Besuche im Haus der Musik und im Heeresgeschichtlichen Museum vertieft hat.
Für die Freizeit haben die jungen Gäste die Donauinsel schätzen gelernt. „Dort gefielen mir besonders der Fluss und die Aussicht und dass die Insel so gut zum Spielen und zum Sonne genießen geeignet ist“, sagt Eftekhar. Nachdem sich die Gruppe im Wiener Verkehrsnetz zurechtgefunden hatte, war sie vom Angebot begeistert: „Die öffentlichen Verkehrsmittel, die alle paar Minuten kommen, sind supercool, und alles ist so sauber und ordentlich“, lobt Heike Pfaue. Auch in kulinarischer Hinsicht erweiterte sich das Wissen deutlich, etwa um Mehlspeisen wie Kaiserschmarrn, aber auch um anderes, wie Dominik ergänzt: „Ich finde das Bier in Österreich sehr gut.“
Nur ein Wunsch hat sich beim Wien-Aufenthalt nicht erfüllt: Hohe Berge zu erklimmen und von dort die Aussicht zu genießen. „Die Warte auf dem Hermannskogel war wegen eines Gewitters geschlossen und die Schneebergbahn noch nicht in Betrieb“, bedauert Betreuer Oliver Falke. Für die Teilnehmenden könnte aber genau das Motivation dafür sein, wieder einmal für ganz neue Erfahrungen nach Wien zu kommen.
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