Zwei Monate in Wien: Wie YouGo:EU! jungen Menschen berufliche Wege eröffnet

Abolfazl zeichnet, seitdem er 6 Jahre alt ist. Ruslan macht gern Musik. Und Dominik interessiert sich so sehr für Geschichte und Philosophie, dass ihn einen seiner ersten Wege in Wien ins Heeresgeschichtliche Museum führen wird, um dort mehr über die Osmanenbelagerungen zu erfahren. 

Die drei jungen Männer gehören zu einer Gruppe von neun Praktikant:innen aus Deutschland, die im Rahmen des transnationalen Projekts YouGo:EU! nach Österreich gekommen sind, um hier zwei Monate lang zu leben und sich persönlich wie beruflich zu orientieren. Gefördert wird es im Rahmen des Programms JUVENTUS: Mobilität stärken – für ein soziales Europa vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales und von der Europäischen Union.  

Deutsche Betreuerin Natali SchwinningEs ist ein Projekt für benachteiligte Menschen, die echte Talente haben und hoffen, dass sie dadurch ihren Traum leben könnenSie hatten nicht die Chance, ganz normal zur Schule zu gehen und dann eine Ausbildung zu machen. Die Hoffnung, die sich mit diesem Projekt verbindet, ist, dass sie trotzdem ihrem Traum leben können“, sagt ihre deutsche Betreuerin Natali Schwinning und ergänzt: „Das Projekt ist eine Chance für Jugendliche, die sonst nicht die Möglichkeit haben, ins Ausland zu gehen. Sie kommen auf diese Weise raus aus ihrem Alltag, lernen neue Leute und eine andere Kultur kennen und entwickeln so neue persönliche und berufliche Perspektiven.“ 

Zunächst testen die Praktikant:innen im Alter von 19 bis 28 Jahren ihre Eignung für verschiedene Berufsausbildungen. Dominik Boegen interessiert sich für den Bereich Gesundheit und Soziales. „Ich habe bislang noch nichts Festes gefunden und dachte mir, dass ich durch das Projekt ein paar Schritte weiter im Leben komme. Ich hoffe, eine berufliche Orientierung zu finden und herauszufinden, was ich wirklich machen möchte.“  

Praktikant Abolfazl Omid mit seiner Zeichnung von einem SchlossRuslan Bielskyi weiß schon, dass sein Wunschberuf auf jeden Fall etwas mit Musik zu tun haben soll. „Am liebsten würde ich Tontechniker werden. Abolfazl Omid, der bei jeder Gelegenheit Häuser und Schlösser entwirft und zeichnet, möchte sein künstlerisches Talent für eine Tätigkeit als Bauzeichner oder Architekt nutzenEftekhar Mayjan freut sich vor allem auf neue Erfahrungen in ÖsterreichIch habe bereits als Automechaniker und in der Lagerlogistik gearbeitet, will aber jetzt eine Ausbildung machen. Ich interessiere mich sehr für eine Tätigkeit im Ausland und möchte andere Leute kennenlernen. 

Emily Jockweg hat bei einem Besuch im heimatlichen Jobcenter von dem Projekt erfahren. „Mein Ziel ist es, entweder in der Pflege oder in einem Kindergarten zu arbeiten. Bislang habe ich nur in die Pflege hineingeschnuppert, deshalb würde ich jetzt gern ein Praktikum in einem Kindergarten machen.“ Praktikant:innen des YouGo:EU! ProjektesAuch Heike Pfaue ist über das Jobcenter zur Gruppe gestoßen. „Ich bin schon 28 Jahre althabe aber immer noch keine Ausbildung. Vor zehn Jahren hätte ich bei so einem Projekt nicht mitgemacht, weil ich eigentlich gar nicht der Typ für so etwas bin, sondern sehr gern zu Hause bin. Inzwischen bin ich aber bereit für neue Wege und würde gern etwas in Richtung IT machen.“ 

Untergebracht sind die jungen Erwachsenen, die ebenso wie ihre beiden Betreuer:innen Oliver Falke und Natali Schwinning aus dem Bundesland Nordrhein-Westfalen kommen, zu zweit oder zu dritt in Wohnungen in verschiedenen Wiener Bezirken, sodass sie sich selbstständig versorgen müssen. Von montags bis donnerstags sind sie im Praktikum, jeweils freitags ist ein Reflexionstag vorgesehen, an dem sie Erfahrungen austauschen können.  

Betreuer Oliver FalkeAm Wochenende werden Wien und Umgebung bei Ausflügen entdeckt. „Wir suchen gemeinsam etwas aus, an dem die Jugendlichen Interesse haben“, sagt Natali Schwinning. Weil einige gern Sport machen, wollen sie auf jeden Fall zur Donauinsel fahren, aber auch klassische Sehenswürdigkeiten wie der Stephansdom und Schloss Schönbrunn stehen auf dem Programm. „Vielleicht machen wir auch eine Kanaltour auf den Spuren des dritten Manns“, überlegt Betreuer Oliver Falke. Oder es wird im Gegenteil hoch hinaus gehen: Der Donauturm mit der höchsten Rutsche Europas könnte für die jungen Gäste ein verlockendes Ziel sein – eines, bei dem manche vielleicht zunächst ihre Angst vor der Höhe überwinden müssen, das sich dann aber als lohnenswertes Abenteuer entpuppt, das neue Erfahrungen und Perspektiven bietet. Eben genauso wie das Projekt YouGo:EU!