Mit dem Skateboard auf Fotojagd

Was hat Niklas Leeb, der im ipcenter eine von AMS und waff finanzierte Überbetriebliche Lehrausbildung zur Medienfachkraft macht, mit dem erfolgreichen Fotografen Manfred Baumann gemeinsam? Viel mehr, als sich Niklas Leeb noch vor wenigen Monaten gedacht hat, zumal er die Aufnahmen des Fotografen und im Anschluss daran Manfred Baumann selbst überhaupt kurz zuvor kennengelernt hat.  

Niklas Leeb als Kind mit seiner ersten Kamera zugeschnitten - ipcenterAber der Reihe nach: Für Niklas war von Anfang an klar, dass sich sein Sommerprojekt, bei dem die Medienlehrlinge im Rahmen der Ausbildung, aber frei nach ihren Vorlieben eine größere Arbeit gestalten können, um Fotografie drehen sollte. „Seitdem ich als Kind eine Spielzeugkamera geschenkt bekommen habe, fotografiere ich“, erzählt er. „Ich bin ein Mensch, der viel beobachtet, und ich mag es, die Zeit festzuhalten.“ Elena Karloff, die die Lehrlingsgruppe von Niklas betreut, riet ihm, sich einmal die Aufnahmen von Manfred Baumann anzuschauen und sein Sommerprojekt am Stil von dessen Street Photography zu orientieren. Niklas recherchierte im Internet und begeisterte sich schnell für die Idee seiner Ausbildnerin: „Viele finden ja Schwarz-Weiß-Fotos zu ernst, irgendwie düster und deprimierend, aber Baumanns Schwarz-Weiß-Bilder sind klassisch-modern, sie wirken elegant und zeitlos.“ 

Aber wie genau sollte er sein Projekt aufziehen? „Ich habe ChatGPT gefragt, welches die bekanntesten Plätze in jedem der Wiener Bezirk sind und mir auch gleich einen Plan erstellen lassen, in welcher Reihenfolge ich all diese Plätze am besten besuchen konnte.“ Mariahilfer Straße und Neubaugasse, der Westbahnhof und Schönbrunn, der Lainzer Tiergarten und der Prater: Drei Wochen lang fuhr Niklas sechs Stunden täglich durch Wien, und zwar auf seinem Skateboard, die Ausrüstung in der Hosentasche: „Ich habe mit meinem iPhone 14 fotografiert, da die Handykameras mittlerweile schon sehr gut sind und ich auf meinem Skateboard keinen teuren Fotoapparat transportieren wollte.“ So, mit dem Equipment in der Hosentasche, machte es auch nicht so viel, dass der Juli recht verregnet war. „Einmal, als ich im Stadtpark war, hat es sogar richtig geschüttet, aber ich habe trotzdem weitergemacht.“  

In den drei Wochen entstanden so mehrere hundert Fotos, die die Straßen, Plätze, Gebäude, Parks und Natur der Stadt zeigen – und nicht zuletzt auch die Menschen, die in ihr leben. 10 Fotos aus jedem Bezirk wählte Niklas aus und kombinierte sie für die Präsentation seines Sommerprojekts zu einem knapp 20-minütigen Video, dass er passend mit Musik von Falco bis Vivaldi unterlegte. Außerdem erstellte er noch eine Präsentation über Manfred Baumann.  

Manfred Baumann mit Elena Karloff und Lehrling Niklas Leeb„Niklas hat ein enormes Arbeitsvolumen gestemmt und dabei tolle Aufnahmen gemacht“, lobt seine Ausbildnerin Elena Karloff, die es nicht bei anerkennenden Worten bewenden lassen wollte: „Solche Lehrlinge müssen belohnt werden.“ Deshalb schickte sie ein Foto von der Präsentation an Manfred Baumann und beschrieb ihm in ihrem E-Mail auch, welch gute Bilder bei dem Sommerprojekt entstanden seien.  Der Fotograf, der unter anderem mit seinen Porträts von Hollywood-Größen wie Omar Sharif, Kirk Douglas oder Tony Curtis berühmt geworden ist, reagierte prompt, indem er Niklas Leeb und Elena Karloff zur Präsentation seines neuen Bildbands „Momente“ einlud. „Es war eine großartige Veranstaltung“, schwärmt Elena Karloff. Der schönste Moment für Niklas Leeb war, als ihm der Fotograf einen Bildband schenkte, versehen mit einer persönlichen Widmung an den jungen Lehrling: „Für Niklas – Das Auge macht die Fotos, nicht die Kamera!“ 

Ein Motto, unter das Niklas auch seine eigenen Bilder stellen würde – so wie er noch vieles andere mit dem berühmten Fotografen gemeinsam hat: Beide sind in Wien geboren – Matthias Baumann 1968, Niklas Leeb 2003; beide hatten Großväter, die sehr gern und gut fotografiert haben und damit entscheidenden Einfluss auf die Laufbahn ihrer Enkel genommen haben. Und beide finden Studios eher langweilig und fotografieren lieber draußen.  

Was Matthias Baumann schon erreicht hat – eine Karriere als Fotograf – strebt Niklas Leeb allerdings erst an: „Ich würde mich gern selbstständig machen.“ Sein Best-Case-Szenario auf dem Weg dorthin: Assistent von Matthias Baumann zu werden oder vielleicht ein Praktikum bei dem Fotografen zu machen. Bis es vielleicht dazu kommt, fotografiert Niklas weiter und verfolgt, inspiriert vom Bildband des berühmten Fotografen in seinen Händen, beharrlich den Gedanken an sein erstes eigenes Fotobuch.

Cover von Niklas erstem eigenen Fotobuch