„Hier wird Lernen wirklich als lebenslanger Prozess verstanden“

Spannend, wie sich Dzenita Joldic im ipcenter beruflich weiterentwickelt hat: Begonnen hat sie 2020 als Englischtrainerin in AMS-Kursen, nun koordiniert sie internationale Bildungsprojekte. Was sie auf ihrem Weg gelernt hat und was sie am meisten am ipcenter schätzt, erzählt sie im Interview. 

 

Wie bist du zu ipcenter gekommen? 

Dzenita bei ihrem Doktoratsstudiumabschluss in Linguistik2020, als ich gerade mein Doktoratsstudium in Linguistik an der Universität Wien beendete, suchte ich nach mehreren Jahren Teilzeitarbeit eine sinnstiftende Vollzeitbeschäftigung im Bildungsbereich. Über eine Freundin, die bei ipcenter tätig war, erfuhr ich, dass Englischtrainer:innen gesucht wurden. Ich bewarb mich sofort und stand nur eine Woche nach meinem Bewerbungsgespräch schon im Kursraum.  

Was genau hast du damals gemacht? 

Zu Beginn unterrichtete ich eine B2-Business-English-Gruppe sowie zwei A2-Gruppen im Bereich General English. Ich fand das von Anfang an spannend und erfüllend und fühlte mich sowohl im Austausch mit den Teilnehmer:innen als auch mit den Kolleg:innen sehr wohl. Da ich während der Pandemie eingestiegen war, gab es im ersten Jahr mit kleineren Gruppen, Online-Unterricht und Distance Learning alles außer den damaligen Normalbetrieb. Ich leitete Englischkurse auf den Niveaus A0 bis B2 mit Fokus auf praxisorientierter Sprachkompetenz. Außerdem bereitete ich die Gruppen auf den Aptis-Test vor und übernahm die Organisation und Durchführung der Prüfungen im ipcenter. 

Was machst du jetzt im ipcenter? 

Gruppenfoto des Teams Internationale Bildungsprojekte im Museum

Ich setze als Teil des Teams für Internationale Projekte europäische Bildungsprojekte um. Zu meinen Aufgaben gehören Recherche, Planung, Entwicklung und Pilotierung von Projektformaten mit dem Ziel, chancengerechte Bildung über nationale Grenzen hinweg mitzugestalten. In Zusammenarbeit mit Organisationen und Bildungseinrichtungen aus ganz Europa eröffnen wir insbesondere Menschen aus benachteiligten Zielgruppen neue Perspektiven und vermitteln ihnen neue Kompetenzen. Aktuell koordiniere ich drei Projekte: Skills4Life, ein Unterstützungs- und Trainingsprogramm für junge Menschen, die altersbedingt nicht mehr auf Leistungen der Kinder- und Jugendhilfe zurückgreifen können; DigiLang, ein Projekt zur Förderung digitaler Tools für Lehrkräfte und Schüler:innen in mehrsprachigen Klassenzimmern; und MERR, ein Projekt zur Unterstützung von Pflege- und medizinischem Personal bei beruflichen Herausforderungen und zur Burnout-Prävention. 

Welche Stationen gab es auf diesem Weg? 

Meinen Weg ins Internationale Projektteam schlug ich bereits kurz nach meinem Einstieg als Englischtrainerin ein: 2021 sollte ich englische Skripte für eine App des Projekts Digital Finance 4 Youth lektorieren. Kurz darauf testete ich die App mit meinen Kursteilnehmenden, entwickelte dazu ein Trainer:innen-Handbuch und leitete ein internationales Train-the-Trainer-Seminar. Es folgten weitere Einsätze, zum Beispiel Recherchetätigkeiten zum Thema Schulabbruch im Projekt TeSTED, die Mitgestaltung von Curricula und Feedback zu Modulen auf der digitalen Lernplattform Moodle. Ein weiterer Meilenstein war die Organisation eines Workshops für das Projekt IntegrAGE sowie die Entwicklung eines digitalen Moduls zum Thema Digital Finance im Projekt Back On Track 

Was war der Auslöser für diese Entwicklung, was hat dich motiviert? 

skills4life 2 1 - ipcenterIch war schon immer sehr neugierig und begeistert von wissenschaftlichem Arbeiten, gleichzeitig war die Arbeit mit Menschen eines meiner zentralen Anliegen. Während meiner Dissertation hat mich besonders fasziniert, wie rasant sich Erkenntnisse entwickeln: Was heute als bahnbrechend gilt, kann morgen schon überholt sein. Als Trainerin im Bildungsbereich hat mich daher vor allem interessiert, wie sich aktuelle Forschung insbesondere im Hinblick auf die Bedürfnisse von Lernenden auf die Praxis übertragen lässt. Internationale Bildungsprojekte ermöglichen es, innovative Ansätze mitzugestalten und Lernmaterialien gezielt an neue Herausforderungen anzupassen.  

Was hast du auf deinem Weg gelernt und in deine aktuelle Tätigkeit mitgenommen? 

Ich habe erkannt, dass Lernen ein lebenslanger Prozess ist – nie abgeschlossen, immer in Bewegung. Wir lernen, solange wir leben, und wir leben, solange wir lernen. Diese Haltung prägt meinen beruflichen Alltag. Und in der Kommunikation mit Menschen habe ich zudem erfahren, dass das, was viele Menschen am meisten brauchen, ein Lächeln und ein freundliches Wort ist.  

Wie bist du persönlich dabei gewachsen? 

Ich kann jetzt in herausfordernden Situationen ruhig bleiben und flexibel auf Veränderungen zu reagieren. Während meiner Tätigkeit als Trainerin habe ich gelernt, mit unterschiedlichen Lerngruppen und individuellen Bedürfnissen umzugehen, spontan neue Wege zu finden und stets lösungsorientiert zu handeln. Durch die internationale Projektarbeit habe ich ein tieferes Verständnis für kulturelle Unterschiede und Gemeinsamkeiten gewonnen, was nicht nur meine Perspektive erweitert, sondern auch meine Offenheit und Wertschätzung im Umgang mit Vielfalt gestärkt hat. 

Was schätzt du generell am ipcenter? 

Gruppenselfie der Abteilung Internationale Bildungsprojekte beim Frauenlauf

Die offene Kommunikation und den freundlichen, respektvollen Umgang miteinander. Die gelebte kulturelle Vielfalt macht das Arbeitsumfeld nicht nur spannend, sondern auch unglaublich bereichernd. Ich liebe es, dass ich täglich mehrere Sprachen einsetzen kann, manchmal sogar alle vier oder fünf, die ich (mehr oder weniger) beherrsche. Zudem schätze ich die zahlreichen Chancen zur fachlichen und persönlichen Weiterentwicklung. Hier wird Lernen wirklich als lebenslanger Prozess verstanden! 

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